Dienstag, 6. September 2005

Abschied

ich saß

baratok1

an der bar und nahm einen schluck aus dem vermeintlich guten jungwein eines bekanten winzers. ich spielte den weinkenner vor, schwenkte das glas, roh hinein, suchte nach kirchenfenster und spielte mit den tropfen auf meiner zunge.

ich fühlte mich wohl in meiner haut, alles drehte sich um mich und ich genoss das schauspiel. er streckte seinen kopf aus der küche raus und verzog seinen mund zu einem sarkastischen grinsen. ich lächelte zurück und wir mochten uns sofort.

es ist schon zwei jahre her. das gesicht mit den verzogenen bambiaugen, die locken, seine stimme, die füße, die meinen unheimlich ähneln, das alles wurde sehr vertraut.
es kam ein verrückter sommer, man war viel unterwegs. lehrte einige flaschen und erlebte manche sonnenaufgänge gemeinsam. die gespräche wurden immer tiefer, die berührungen intimer. er hatte stets ein kompliment, ein küsschen, ein umarmen, eine massage für mich.

es hätte natürlich mehr werden können. man stieg sogar einige male gemeinsam ins taxi oder fuhr mit dem rad in die gleiche richtung.
ich kniff immer.

sehr lange versuchte ich den abschied zu verdrängen.
gestern nacht machte ich die tür vor deiner nase zu.

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